Experten-Interview zur neuen Gerätegeneration ROTEM® sigma

Als Experte und Pionier der ROTEM® Technologie stand unsDr. Lang
Dr. Thomas Lang (Gerinnungsambulanz und Medlab Südheide) bei
der Entwicklung des ROTEM® sigma tatkräftig zur Seite.

Als eine der ersten Testpersonen des ROTEM® sigma gab er uns ein Interview.

Seit wann nutzen sie das ROTEM® Analysesystem und warum?
Nachdem wir ausführlich das TEG System mit dem ROTEG verglichen hatten, haben wir im Jahr 1999 die Thrombelastometrie im Labor des Universitätsklinikums Graz (Österreich) implementiert.
Ursprünglicher Anlass für die Implementierung einer zusätzlichen Gerinnungsdiagnostik war die zeitliche Verzögerung und unbefriedigende Aussage der klassischen Gerinnungsparameter wie Quick und aPTT im Rahmen von schweren intra- bzw. postoperativen Blutungskomplikationen. Erkenntnisse aus der  Thromboelastometrie waren die Grundlage für die Entwicklung einer nunmehr rechtzeitigen und zielgerichteten Gerinnungstherapie im perioperativen Setting.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem ROTEM® sigma gemacht?
Als „alter“ ROTEM® User, der durchaus gerne selbst pipettiert und auch einmal neue analytische Experimente macht, war ich naturgemäß eher skeptisch gegenüber einem Vollautomaten. Wie in jeder Entwicklungsphase habe ich in der Testphase zwei Unregelmäßigkeiten in der Software wahrgenommen, welche von Seiten der Firma sofort aufgenommen und korrigiert wurden. Bereits nach einigen Testläufen konnte ich allerdings feststellen, dass das ROTEM® sigma in der Anwendung wesentlich bequemer ist als das ROTEM® delta. Das „Handling“ des ROTEM® sigma reduziert sich hierbei auf das Einsetzen der Kassette und dem Einlesen des Barcodes bzw. dem Aufsetzen der Blutprobe.

Welche Vorteile bringt Ihnen die Vollautomatisierung im hektischen Arbeitsalltag?
Im klinischen Alltag ist die Zeitersparnis durch den Gebrauch des ROTEM® sigma erheblich. Das Handling der Reagenzien sowie der Pipettiervorgang entfallen. Der Bedienungsaufwand und mögliche Fehlerquellen sind dadurch minimal. Die automatische Testauswahl der Cartridge erleichtert gerade dem neuen Anwender den Arbeitsalltag.

In welchen klinischen Bereichen kann Ihrer Meinung nach das ROTEM® sigma verwendet werden?
Naturgemäß bietet sich das ROTEM® sigma in erster Linie als POC-System an, wobei vorzugsweise im Schockraum oder im operativen Bereich die Vorteile des ROTEM® sigma zum Tragen kommen werden. Neben der vereinfachten Handhabung und der damit verbundenen ERHEBLICHEN Zeitersparnis, ist zudem der Schulungsaufwand reduziert, die Ergebnisqualität gesichert und eine Durchführung durch geschulte Pflegekräfte vorstellbar, was besonders im operativen Bereich von Interesse ist. Im Labor hingegen hat meiner Meinung nach das ROTEM® delta durchaus noch seinen Platz. Gerade in diesem Bereich können mit dem ROTEM® delta neue Ideen und Entwicklungen vorangetrieben werden.

Was wünschen Sie sich zukünftig? Wie würden Sie sich eine Weiterentwicklung des ROTEM® sigma vorstellen?
Ich wünsche mir eine kleine Markierung am Gerät, die mir die ideale Position der Patientenprobe vor dem Barcodeleser anzeigt. Für kleinere Labore wäre eine spezielle Abfallbox für die Cartridge, in die zwei Nadeln integriert sind, praktisch.
Zukünftig wünsche ich mir eine Cartridge für die Detektion von NOACs oder eine Cartridge mit einer höheren Sensitivität für die Lyse. Ein Plättchenaggregation-Cartridge wäre sicherlich auch von Vorteil.

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