Thromboelastometrie (TEM®)

Die Thromboelastometrie ist ein diagnostisches (viskoelastisches) Verfahren, mit dem die Gerinnungseigenschaften (Hämostase) von Vollblut untersucht werden können. TEM® misst die Interaktionen von Gerinnungsfaktoren, Inhibitoren und Zellkomponenten, während sich das Gerinnsel bildet und anschließend lysiert. Die rheologischen Bedingungen dieser Methode imitieren den stagnierenden Blutfluss in den Venen. Die TEM® wird auf dem ROTEM® -System durchgeführt, eine Weiterentwicklung der traditionellen Thromboelastographie (TEG®)-Methode, die 1948 von Hartert entwickelt wurde.

Messprinzip:

Die Vollblutprobe wird in eine Küvette (Cup) gefüllt, und ein zylindrischer Stempel (Pin) wird eingetaucht. Zwischen Stempel und Küvette bleibt ein 1 mm breiter, mit Blut gefüllter Spalt. Der Stempel wird durch eine elastische Feder nach rechts und links gedreht. Solange keine Gerinnung eintritt, ist die Bewegung des Pins unbeeinflusst. Sobald sich zwischen Cup und Pin ein Gerinnsel bildet, wird die rotierende Bewegung des Pins durch das Gerinnsel zunehmend eingeschränkt. Die kinetischen Änderungen werden optisch erf asst und von einem integrierten Computer berechnet. Es entstehen die typischen Kurven (TEMogramm) und numerische Parameter.

Mit zugehörigen Proben werden bei der TEM® über- und unterfunktionelle Phasen des Gerinnungsprozesses erfasst. Die schnell verfügbaren Ergebnisse ermöglichen eine Differenzialdiagnose. Es wird zwischen chirurgischen Blutungen und Gerinnungsstörungen, Hyperfibrinolyse, Ausmaß der Verdünnungskoagulopathie, Bedarf für Fibrinogen- oder Plättchenersatz unterschieden und eine Überwachung der Heparin- und Protamin-Dosierung ermöglicht.
Die traditionelle TEG® nach Hartert arbeitet mit einem frei schwingenden Pin in einer sich drehenden Küvette. Der Gerinnungsprozess wird durch einen Torsionsdraht ermittelt. Aufgrund der freien Aufhängung des Pins ist die TEG® nach Hartert extrem erschütterungs- und stoßempfindlich. Diese Schwachstelle wurde beim ROTEM®-System durch Verwendung eines sich drehenden Pins, der an einer durch ein Kugellager stabilisierten Stahlachse befestigt ist, und durch die präzise optische Messmethode behoben. In Verbindung mit der automatischen Pipette, Touchscreen-Bedienung und der intuitiven, bedienerfreundlichen Software des ROTEM®-Systems hat diese Technologieverbesserung die TEM® im POC-Bereich, Notfalllaboren und anderen Einsatzbereichen optimiert.